Bevor der Wecker um 8 klingelt werden wir wach und entgehen so um Haaresbreite dem fröhlich pfeifenden Handywecker. Die Nacht war je nach Bett unterschiedlich, aber irgendwie schmerzen heute die Knochen (bzw. Bandscheiben u.ä.) mehr als die letzten Tage. Trotzdem sind wir alle bald in aufrechter Position und beginnen den Tag - mit einem nicht besonders üppigen Frühstück.
Bis wir das Hotel verlassen zeigt sich die Sonne und es ist angenehm warm, als wir zur ungefähr 10 Minuten entfernten Station der Hochbahn "Metro" laufen. Die Metro ist die einzigen Stadtbahn in Kolumbien und Medellíns ganzer Stolz. Sie ist aber auch bequem und praktisch, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu erreichen.
In wenigen Minuten stehen wir auf der berühmten Plaza de Botero, auf der diverse Statuen des weltweit geschätzten kolumbianischen Künstlers stehen. Mindestens genauso interessant wie die Skulpturen sind aber die Menschen, die den Platz bevölkern - ein buntes Nebeneinander von (meist einheimischen) Touristen, fliegenden Händlern und vor allem älteren Männern, die die Plaza wohl zu ihrem Wohnzimmer umfunktioniert haben.
| Mal ein leiser Laubsauger! |
Wir bummeln von der Plaza de Botero die Fußgängerzone entlang. Hier ist Medellín unverkennbar südamerikanisch: bunt, schrill, voll, chaotisch und vor allem laut. Mitten in der eher heruntergekommenen Einkaufsmeile steht der Palacio Nacional, ein altes ehemaliges Regierungsgebäude, das heute als edle Kulisse für einen riesigen Bazar dient, in dem Fälschungen jeder denkbaren Modemarke feilgeboten werden. Das Ambiente ist toll und die Ware macht oft auch keinen schlechten Eindruck, doch um die Taschen nicht weiter zu füllen verzichten wir auf eine Shopping tour und trinken stattdessen lieber einen Kaffee.
| Eines der wenigen Überbleibsel der Kolonialzeit in Medellín |
Gestärkt setzen wir unseren Bummel durch die Innenstadt fort, finden noch eine Kleinigkeit zu essen für meinen Vater (und nehmen bei der Gelegenheit gleich noch ein "kleines, leichtes" Kokosgebäck mit) und passieren dabei die Basilika am Parque Berrío und die unvermeidliche Plaza de Bolívar, an der sich die eher unscheinbare Backsteinkathedrale befindet. Nachdem wir es auch noch schaffen, eine breite Verkehrsachse ohne Fußgängerampel zu überqueren, erreichen wir wieder die Metro, schleppen uns die vielen Treppen hoch und fahren zum Botanischen Garten.
| Lektion 1: In der Konditorei / Bäckerei - En la pastelería |
| Kolumbien ist einer der Hauptexporteure von Schnitt-Zierblumen |
| Nicht jede Farbe schafft es dabei nach Deutschland... aber mit diesen bunten Blumen herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, liebe Wally! |
Bevor wir den Botanischen Garten erreichen, schauen wir erst einmal auf das Gewirr von Straßen und Siedlungen, das sich zu beiden Seiten des Aburrá-Tals die Berge hinauf ausdehnt. Direkt am Ausgang der Metrostation liegt der Parque Explora, den wir zwar nicht besichtigen, aber von außen bewundern - nicht zuletzt wegen des perspektivisch raffiniert auf dem Pflaster aufgebrachten Schriftzuges.
| Der Schriftzug ist in Wirklichkeit auf das Pflaster aufgebracht - fast wie die Werbung im Fußballstadion! |
Nach ein paar weiteren Treppen sind wir im kostenlosen und wunderschön angelegten Botanischen Garten. Das Gelände ist in verschiedene Zonen eingeteilt, so zum Beispiel Regenwald, Wüstenzonen oder Uferpflanzen. Wir streifen ziellos umher und genießen die schönen Pflanzen. Am See begegnen wir einem großen Leguan, der sich bald auf einen Baum zurückzieht. Im Wasser sieht man neben einem Reiher und netten kleinen Vögeln mit gelben Bäuchen auch viele Schildkröten und später sogar einen schwimmenden Leguan, der sich die Seerosen schmecken lässt.
Zwischendrin legen wir eine Pause in der Cafetería ein und lassen uns Eis oder Kuchen im (Halb)Schatten schmecken. Heute ist in der Stadt des ewigen Frühlings eher Hochsommer!
| Eine der beiden Cafeterías im Botanischen Garten |
Die getankte Energie reicht bis zum Ende des Besuchs, aber dann genehmigen wir uns noch einen frischen Saft (Mango für mich, Mix für die Eltern) und fahren schließlich mit der Metro heim. Im Supermarkt decken wir uns noch mit dem Nötigsten für den Abend und die nächsten Tage abseits der Zivilisation ein (Bier, Kekse, Erdnüsse). Im Hotel machen wir uns soweit fertig, lesen kurz noch was nach und gehen dann raus, auf der Suche nach einem Restaurant, denn mein Vater hat Hunger ;-). Wir werden gleich ums Eck fündig und wie in Kolumbien üblich ist die Portion wieder viel zu groß. Ich kämpfe und schaffe es eben so, aber meine Mutter gibt nach 2/3 ihres gegrillten Schweinesteaks mit Champignonsauce auf. Damit nichts verkommt, kümmert sich mein Vater rührend um den Teller und so können wir morgen mit Petrus´ Gnade rechnen, denn die Teller waren schön leergegessen... Und zum Schluss kommt der typische Satz meines Vaters: guad ´gessen hamma, satt wor´n simmer au! Es braucht sich wirklich niemand Sorgen machen, dass wir Hunger leiden müssen (außer Papa, wenn die Essenspausen mal wieder etwas länger sind ;-) )
| Unanständig große Portionen - aber lecker ist es auf alle Fälle! |
| Aufopfernd! |
Im Hotel zurück packen wir für die nächsten (blogfreien, da internetlosen) 5 Tage am Pazifik, genehmigen uns dabei ein weiteres Bier und einen Schluck des Nationalgetränks Aguardiente (Feuerwasser), das widerlich nach Anis schmeckt (hier handelt es sich um meine subjektive Meinung) und dann komme ich meiner Blog-"Pflicht" nach... Aber kurz nach Mitternacht ist Schluss - wenn das auch leider nicht für den infernalischen Krach vor und um (und damit IM) Hotel gilt. Mal sehen, ob das heute was mit schlafen wird!
Ich melde mich dann nach unseren Tagen in Nuquí wieder - bitte keine Suchmeldung aufgeben, vor 26.8. gibt es sicher keine Neuigkeiten hier!
Qué descansen!
Wow,, da habt ihr ja schon jede Menge erlebt und gesehen ... Wünsche euch noch nen schönen Urlaub. lg Frank
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