Auf den nun folgenden Programmpunkt habe ich mich ganz besonders gefreut, denn nun darf ich nach knapp einem Jahr zurück in mein ganz persönliches Paradies - der Ecolodge El Cantil im waldreichen und menschenarmen Departamento Chocó. Abgesehen davon, dass der Chocó eine der am wenigsten entwickelten und damit eine der unberührtesten Gegenden des südamerikanischen Subkontinents ist, bietet der Pazifik um den kleinen Ort Nuquí eine Besonderheit: er ist die Kinderstube unzähliger Buckelwale. An wenigen Orten der Welt kann man die großen Meeressäuger besser beobachten.
Wir fliegen mit einem kleinen 19-sitzigen Hüpfer vom Stadtflughafen Medellíns (und der liegt wirklich mitten in der Stadt!) in ohrenbetäubenden 45 Minuten über die Anden und den dichten Regenwald. Die Wolkendecke wird erst unmittelbar vor der Landung auf dem besseren Feldflughafen (Piste ist immerhin asphaltiert) von Nuquí weniger dicht und in letzter Sekunde lässt auch der Regen nach. Die Tür geht auf, wir laufen zum Mini-Terminal, wo wir schon von Nana, der Co-Chefin des El Cantil erwartet werden. Ein paar Minuten später haben wir unser Gepäck in der Hand und die 7000 Peso "Kurtaxe" bezahlt und verlassen mit Nana das "Terminal". In einem gegenüberliegenden Haus füllen wir die fürs Militär und den kolumbianischen Staat bestimmten Dokumente aus und dann geht´s weiter zur Mole und in unser Boot, das uns in knapp 50 Minuten zur Lodge bringt.
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| Albern am Flughafen Medellín |
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| Luftgitarren-As mit Rückenproblemen... |
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| Die Ohrenstöpsel müssen wohl sehr wirkungsvoll sein... |
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| Piste von Nuquí voraus |
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| Ein echter Gentleman! |
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| Endlich wieder so richtig in den Tropen - es ist sehr schwül und gut warm! |
Die Lodge ist noch genauso (schön), wie ich sie letztes Jahr verlassen habe - in einem Bogen liegen die wenigen einfachen, aber gemütlichen Bungalows an einem Hang auf einer Lichtung - eingerahmt vom Meer auf der einen und dem dichten Dschungel auf der anderen Seite. Das Restaurant ist auf einer Aussichtsplattform und im Garten blühen unzählige Pflanzen, zwischen denen große Schmetterlinge und Kolibris hin und her schwirren. Wir werden mit einem Begrüßungsdrink und viel Hallo empfangen. Es ist so schön wieder zurück zu sein! Auch meine Eltern sind überwältigt - der El Cantil-Zauber der absoluten Entspannung zeigt sehr schnell seine Wirkung. Pozo, der gute Geist der Lodge, weist uns auf der Terrasse unseres Bungalows in alles ein und nach ein paar Glücksmomenten in der Hängematte bzw. auf den Stühlen werden wir zum Mittagessen gerufen.
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| Gast in unserem Bungalow - ein "wandelndes Blatt" |
Das Restaurant ist eines der absoluten Highlights des El Cantil und wird nicht ohne Grund als eines der besten Restaurants Kolumbiens gehandelt: egal ob Frühstück, Mittag- oder Abendessen, das Essen ist ausgezeichnet. So gut isst man nicht sehr oft, und schon gar nicht in einem Hotel. Voraussetzung ist, dass man Fisch mag, denn Fleisch gibt es nicht. Für meine Mom und mich genau das Richtige, und auch mein Dad ist vom Essen begeistert. Ein böser Anschlag auf die Badehosenfigur!
Unser erster kleiner Ausflug führt uns mit unserem Guía Néstor (alias Tello) zur nahen Cascada del Amor. Dieser kleine Wasserfall liegt im Dschungel, nur knapp 100 Meter vom Strand. In dem herrlich kühlen aber vom Regen trüben Becken kann man wunderbar plantschen, was ich dann auch sogleich tue.
Über glitschige Steine versuchen wir in Flipflops und Crocs zu einem höher liegenden Wasserfall zu klettern, geben aber bald aus Sicherheitsgründen auf und spazieren stattdessen weiter an den endlosen Sandstränden unter Kokospalmen. Keine Strandbar, keine Sonnenschirme oder -liegen, keine Autos, keine Musik, nur Meeresrauschen und die Geräusche des Dschungels. BALSAM FÜR SEELE UND SINNE! Den ein paar Minuten (und flutbedingten Kletterpartien über Felsen) von der Lodge entfernten Strand Playa Terquito mit seinem ruhigen und klaren Wasser und besuchen wir einige Male. Fast so schön wie Lido di Jesolo ;-)...
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| Mancher Bach bildet kurz vor dem Erreichen des Ozeans kleine Naturwhirlpools. Das Wasser ist nicht nur klar, sondern auch erfrischend kühl. |






Natürlich ist einer der Hauptgründe für unseren 5-tägigen "Verzicht" auf viele Errungenschaften der Zivilisation (Strom gibt es beispielsweise nur im Restaurant von 18 bis 22 Uhr, Handynetz oder gar Internet überhaupt nicht) die Hoffnung auf Walsichtungen. In der Bucht von Tribugá tummeln sich zwischen Juli und September jede Menge Buckelwale - Mütter mit ihren neugeborenen Kälbchen. Schon vom Ufer (sogar von unserer Hängematte oder beim Baden im Meer) sieht man oft die großen Meeressäuger, doch mit dem Lodge-eigenen Boot kommt man logischerweise noch viel näher hin. Bei der ersten Fahrt ist das Meer sehr ruhig und die Sonne brennt vom Himmel. Zuerst sehen wir nur wenig, doch dann treffen wir immer mehr Wale - fast sogar wortwörtlich, denn einmal springt ein Buckelwal direkt neben unserem Boot. Foto mit Zoomlinse war leider nicht möglich! Ein anderes Mal tauchen die Rücken nur sehr wenige Meter neben unserer Nußschale auf. Es ist ein unbeschreibliches Erlebnis. Bei der zweiten Ausfahrt ist das Meer sehr unruhig, die Dünung teils meterhoch. Wir quälen uns die Wellen hinauf und vom Kamm sausen wir ins Tal. Nur Wale sehen wir erst einmal lange Zeit keine. Als wir die Hoffnung aufgegeben haben zünden die sanften Riesen dann aber ein ganz unglaubliches Feuerwerk. Sie springen in einer Tour, hieven ihre Schwanzflosse immer und immer wieder aus dem Meer oder winken uns mit ihrer Brustflosse. Fotografieren ist wegen des Wellengangs zwar vollkommen unmöglich, es sei denn man ist bereit seine Ausrüstung zu riskieren. Aber der Anblick der Silhouette eines springenden Buckelwals vor der untergehenden Sonne ist so kitschig wie unbeschreiblich schön. Glückshormone durchfluten uns und wir wissen vor lauter Begeisterung schon gar nicht mehr, wohin mit uns!
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| Tello ist mal wieder mit an Bord! |
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| Auch ohne Wale ist die Fahrt ein Genuss - und das sagt einer, der nicht unbedingt auf Bootsfahrten versessen ist! |
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| Springender Buckelwal - so richtig einig über den Grund dieser Sprünge ist sich die Forschung bisher nicht... |
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| ... aber auch egal - atemberaubend sind sie auf alle Fälle! |
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| Flossenwinken zum Abschied! |

Nicht nur "Walfahrten" sind eine ausgezeichnete Möglichkeit klatschnass zu werden - auch ein Strandspaziergang zum kleinen Fischernest Termales mit seinen Thermalbad bei bald nach Verlassen der Lodge einsetzenden Dauerregen ist eine fantastische Möglichkeit, sich in den Tropen eine Lungenentzündung zu holen. Wir halten dem unwirtlichen Wetter stand und nach einer scheinbaren Ewigkeit erreichen wir frierend das angenehm warme Wasser. Auf dem Weg dorthin versucht uns Tello mit interessanten Hinweisen auf Flora und Fauna bei Laune zu halten - und hat Erfolg. Auch das Durchwaten einer mehr als hüfttiefen Furt sorgt bei allen für Erheiterung. Innerhalb kurzer Zeit geben wir komplett durchweicht ein mitleiderregendes Bild ab - und so laufen wir dann auch noch in Badeklamotten und am Körper klebenden T-Shirts durch den Ort bis wir schließlich das Bad erreichen. Es ist schön und schön warm, aber als wir dann wieder in unsere nassen und kalten Sachen schlüpfen ist der Effekt des Thermalwassers auch schon wieder beim Teufel. Also laufen wir zurück zur Lodge - und diesmal behält Tello Recht, denn nach kurzer Zeit hört der Regen auf. Die Furt führt dank Ebbe auch weit weniger Wasser als zuvor und als wir El Cantil erreichen, sind wir fast schon wieder trocken... Das ist ein Ausflug, den wir sicher so bald nicht vergessen werden! Und mit Regen muss man im Regenwald (und noch dazu in einer der regenreichsten Regionen der Erde) eben immer rechnen!
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| Noch ist es trocken, aber das wird sich in wenigen Minuten ändern... |
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| Carambola (Sternfrucht) am Baum. Am Liebsten ist sie mir allerdings im Glas als Saft |
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| Da war schon gar nicht mehr viel Wasser in der Quebrada des Río Terco |
Die Tage und Abende vergehen auch mit Gesprächen mit anderen Gästen, vor allem mit einem netten Paar aus Basel. Und auch Blanca, die Mutter des Chefs Memo, mit der ich bereits im letzten Jahr viele Stunden im Gespräch und beim Ligrettospielen verbracht habe, ist wieder da. So vergeht die Zeit wirklich viel zu schnell und als der Abschied kommt, hoffen wir fast schon ein bißchen, dass der Flug gecancelt wird (was mit schöner Regelmäßigkeit passiert - die Schweizer Urs und Dorothea kamen so auch unverhofft zu einem weiteren Tag im El Cantil...). Doch trotz letzter Walbeobachtung auf dem "Airport-Shuttleboot" kommen wir früh genug an und auch der Flug findet statt. In Nuquí ist es brütend heiß und so verbringen wir die Zeit nach einer kurzen Inspektion des benachbarten Kunsthandwerksladens im Schatten des Terminals und pünktlich erreichen wir Medellín. Wieder zurück in der lauten, hektischen (und mit 24 Grad vergleichsweise kühlen) Großstadt... Der Landeanflug ist allerdings wirklich spannend - wegen der leichten Turbulenzen und dem im Preis enthaltenen Stadtrundflugs.
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| Im "Hafen" von Nuquí |
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| 3/4 des Terminals von Nuquí |
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| Die zwei haben von Fotos von uns gemacht - und ich habe mich revanchiert ;-) |
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| Letzter Blick in Richtung El Cantil - mit ungelogen schwerem Herzen! |
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| Einmal mehr beweist mein Vater, dass er immer und überall schlafen kann. Aus diesem Foto spricht der blanke Neid des Fotografen... |
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| Blick auf Medellín aus der Pilotenkanzel |
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Bald darauf sind wir wieder in unserem Hotel, müssen aber noch eine ganze Weile warten, bis das Zimmer für uns bereit ist. Im Zimmer wird erst mal die vom Pazifikklima chronisch feuchte Wäsche gewaschen und per Fön und Klimaanlage getrocknet. Als wir das soweit erledigt haben (also vor allem meine Mom), nehmen wir ein Taxi zum Pueblito Paisa auf dem Cerro Nutibara. Von dort oben haben wir einen fantastischen Blick auf ganz Medellín. Auf der Aussichtsterrasse tummeln sich viele Menschen - und die meisten widmen sich dem kolumbianischen Nationalsport, dem Drachensteigen! Der August ist der Monat der Drachen und Jung und Alt gehen diesem Hobby gleichermaßen mit Begeisterung nach. Wir schauen eine ganze Weile fasziniert zu. Es wäre in Deutschland völlig undenkbar, zwischen Stromleitungen und Sendemasten und in relativer Nähe zu einem Verkehrsflughafen Drachen an zum Teil mehrere hundert Meter langen Seilen fliegen zu lassen. So manch Plastik-Flugobjekt landet schließlich in den Masten oder den nahen Bäumen.
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| Wäscherei Esch |
Nur wenige Treppen unterhalb der Aussichtsplattform liegt der Nachbau eines kleinen Dorfplatzes im Stil der Region. Wir sehen uns kurz um, schauen dann aber noch einmal auf die Aussichtsterrasse, um den Blick auf das funkelnde Lichtermeer der ausufernden Metropole zu unseren Füßen zu bewundern.







Eine kurze Taxifahrt und wir sind wieder vor unserem Hotel. Da wir heute auf das üppige Mittagessen von El Cantil verzichten mussten gönnen wir uns eine leckere und viel zu große original italienische Steinoffenpizza (sehr kolumbianisch, ich weiß schon...). Nach dem Essen geht es dann auf dem direkten Weg heim und für die einen bald ins Bett, für den anderen an den Laptop zum bloggen. Es ist weit nach Mitternacht als auch ich ins Bett falle und hoffe trotz des Lärms in und vor dem Hotelzimmer bald einzuschlafen. Sicher aber nicht ohne Ohrenstöpsel. Ich vermisse das Rauschen der Wellen und die Geräusche des Dschungels schon jetzt schmerzlich. El Cantil ist ohne jeden Zweifel einer der schönsten und wunderbarsten Orte, die ich kennenlernen durfte. Ich bin richtiggehend danach süchtig! Vielleicht versteht Ihr nach den Bildern wenigstens ein bißchen wieso!
MUY BUENAS NOCHES!
Hallo Oly,
AntwortenLöschenbin auch erst seit zwei Tagen aus dem Urlaub zurück und habe heute Abend deine gesamten Blogeinträte "durchgearbeitet" - es ist einfach alles atemberaubend schön und ich bin mehr als neidvoll, was du da alles erleben kannst!! Unglaublich schöne Bilder, du vermittelst eine richtige Unbeschwertheit (auch und besonders auf den Fotos mit deinen Eltern), dass ich fast zweifle, ob du überhaupt wieder zurück kommen wirst! Alles macht so einen gewaltigen Eindruck, dass man sofort hin möchte. Irgendwann vielleicht...
Ich wünsche dir und deinen Eltern noch viele schöne Stunden und uns Betrachtern aus der Ferne noch tolle Bilder!
Liebe Grüße, Martina
Ganz herzlichen Dank für deinen Kommentar! Und du hast so ziemlich mit allem Recht! ;-)
LöschenDanke dir, dass ich auf diese Weise wieder mitreisen darf!!!
AntwortenLöschenWeiterhin viel Spaß und kommt gesund und munter, gut erholt wieder heim!
Grüße Klaus
Aber gerne doch! Das mit dem Heimkommen (gesund) hat geklappt, am munter arbeite ich noch!
LöschenHi Oliver ,, da hbt ihr ja schon jede Menge erlebt, so wie es aussieht, gefällt es auch deinen Eltern sehr gut .... aber nun gehts bei euch ja schon iunRrichtung Urlaubsende ... Noch paar schöne TAge in kolumbien
AntwortenLöschengruß frank
Ja, war traumhaft schön! Aber jetzt bin ich wieder da und überlege, ob´s mir für den See warm genug ist ;-)
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