Der Morgen beginnt früh, aber
immerhin nicht so früh wie eigentlich befürchtet, denn die Fahrt nach Mompox
beginnt erst um 8:30 – Zeit genug für ein weiteres gutes Frühstück in der Casa
de la India Catalina bevor ziemlich pünktlich Toto mit seinem Chevy Pickup vor
dem Hotel auftaucht und die Straße für das Einladen des Gepäcks blockiert. Der
Beifahrersitz ist leider schon von einer Passagierin belegt und so „dürfen“ wir
uns zu dritt auf die Rückbank quetschen. Sind ja nur 7 Stunden (pi mal Daumen).
So schlimm wie befürchtet ist es dann aber nicht und nach einiger Zeit machen
wir einen kurzen Klo- und Verpflegungsstop. Die Empanada schmeckt nicht
sonderlich, aber dafür gibt es einen Papagei, mit dem man sich die Zeit
vertreiben kann.


Bald darauf erreichen wir den
Fähr“hafen“ von Magangué, wo um 14:00 eine Flußfähre den Río Magdalena entlang
nach Talailigua Nuevo ablegen soll. Die Hitze ist schwer erträglich und so
flüchten wir bald in eines der luftigen, sehr rustikalen „Restaurants“, wo
andere schon die Hängematten belegt halten oder frischen Fisch genießen. Bei
uns bleibt´s bei frischem Orangensaft. Auch dann noch als es 14:00 ist und von
einer Fähre weit und breit nichts zu sehen ist. Es ist kurz vor drei als die
Fähre schließlich doch noch den sicheren Hafen erreicht. Das Ent- und Beladen
ist eine echte Schau. Kaum zu glauben, was alles auf so eine recht klein
wirkende Fähre passt. Einer der Einweiser, ein älterer Mann mit nacktem
Oberkörper, heiserer Frank-Zander-Stimme und Zahnlücken, die sich ergonomisch
dem Hals einer Bierflasche anpassen (was sehr sinnvoll ist, denn während des
Einweisens leert er davon etliche!), wirkt komplett durchgeknallt (und das ist
wohl nicht nur Schein). Die Frequent Swimmer nennen ihn „loco hijueputa del
ferry“ – verrückter H…sohn von der Fähre. Vor allem die Frauen sind von seinen
Avancen sichtlich genervt.







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| Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist bei diesen Temperaturen unerlässlich! |
Irgendwann schrillt die Glocke
und wir legen ab und fahren den Río Magdalena entlang. Das Wasser auf
Kolumbiens wichtigstem Fluss fließt scheinbar träge, aber die schnell
vorbeischwimmenden Inseln aus Wasserhyazinthen zeigen, dass der Schein trügt.
Am Ziel“hafen“
- eine staubige und steile Böschung herrscht
hektische und vollkommen chaotisch wirkende Betriebsamkeit, aber irgendein
System scheint es zu geben und so sitzen wir bald wieder im Pick-Up und lassen
uns auf 40 Kilometer mieser Straße bis Mompós durchschütteln. Entgegenkommenden
Verkehr sieht man aufgrund des aufgewirbelten Staubs meist erst sehr spät, aber
wir erreichen sicher das kleine Städtchen Mompós (oder auch Mompox oder ganz
offiziell Santa Cruz de Mompox), in dem heute ziemlicher Trubel herrscht – der
alljährliche Umzug der Schule. Letztes Jahr habe ich ihn gesehen. Wenn die
Fähre nur pünktlich gewesen wäre…! Naja, nicht zu ändern. Unser Hotel, das Bioma
Boutique Hotel, macht seinem Namen alle Ehre, wie wir sofort nach Betreten
feststellen dürfen. So schön und geschmackvoll war wirklich sonst keines
unserer wirklich schönen Hotels! Die Begrüßung durch Rosalba und Gerardo und
ihren Mitarbeiter Wilmar ist überaus freundlich, ja eigentlich eher herzlich.
Und es gibt dazu leckeren Corozosaft (aus den Früchten einer Palmenart –
unglaublich gut!).
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| Eingang zum Bioma Boutique Hotel |
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Auf dem Foto kommt leider nicht richtig "rüber", wie schön das Hotelzimmer war...
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Wir bestaunen erst einmal das
wirklich tolle alte Gebäude – und der Clou ist der Jacuzzi auf der Dachterrasse
mit Blick auf Mompós. Wir kommen gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang
(aufgrund der Wolken zwar eher ein schönes Abendrot, aber wir wollen nicht
meckern!). Nebenbei unterhalte ich mich mit der Chefin Rosalba. Schließlich
machen wir uns in unserem großen und edel-karg eingerichteten Zimmer mit tollem
und ebenfalls großem Bad fertig für´s Abendessen. Dafür gehen wir ein paar
Häuser weiter. Das Haus ist schön, aber das Essen könnte besser sein. Egal, tut
trotzdem gut. Und anschließend machen wir einen kurzen Verdauungsspaziergang
durch Mompós. Den Abend beschließen wir wie es sich gehört - im Jacuzzi. Das Wasser könnte für meine Mutter
und mich ruhig ein bißchen wärmer sein, aber mein Vater ist mit der
Wassertemperatur sehr einverstanden. Der Rest des Abends verläuft ganz ruhig
auf dem Zimmer.
Am nächsten Morgen erwartet uns
ein sehr leckeres Frühstück im Patio mit Blick auf Haus, Pool und jede Menge
Blumen. Rosalba erzählt uns ein wenig über ihre Hotelphilosophie und den christlichen
Geist, der dazu führt, die lokale Bevölkerung zu unterstützen. Sowohl Gerardo
als auch Rosalba sind sehr herzlich und so fühlt man sich mal wieder als Teil
der Familie. Mom bekommt noch Samen einer Pflanze namens Abanico geschenkt und
dann gehen wir raus in die Wärme.
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Blick von der Dachterrasse
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Mompós hat eigentlich herzlich
wenig Sehenswürdigkeiten im Sinne von „muss man gesehen habe“. Das ruhige
Städtchen in den Sümpfen Nordkolumbiens lebt vor allem von seiner dichten
Atmosphäre: die Menschen sitzen in den typischen momposiner Schaukelstühlen vor
der Haustür oder im kühleren Innenraum ihrer Häuser, alles läuft ganz
gemächlich (kein Wunder bei den Temperaturen) und mit ländlicher Freundlichkeit
und Neugier auf alles und jeden Fremden. Esel ziehen Lastkarren durch die
Straßen, Menschen plaudern, hin und wieder knattert ein Motorroller oder
Mototaxi vorbei. Bloß keinen Stress scheint das hiesige Lebensmotto zu lauten.
Das Leben plätschert träge dahin, fast als würde es sich dem träge wirkenden
Brazo de Mompós (einem Seitenarm des Río Magdalena) anpassen. Und wir passen uns ebenso an. Ich
treffe Carmen, die „Managerin“ meines letztjährigen Hotels wieder und sie
erkennt mich gleich. Wir begrüßen uns herzlich, plauschen und dabei mache ich
auch gleich unseren nachmittäglichen Ausflug in die Sümpfe klar. Wer García
Márquez´s Werke kennt, der erkennt in Mompós viel vom mythischen Macondo wieder.
Und das nicht nur, weil es auf dem Friedhof vor Buendías gerade so wimmelt. So
verwundert es kaum, dass für etliche Verfilmungen von „Gabbo“s Werken in Mompós
gedreht wurde. Wir schlendern langsam durch den Ort und bleiben immer wieder
stehen, um die einmalige Stimmung fotografisch einzufangen. Ob es uns gelungen
ist? Ich hoffe es.







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| Typisch momposiner Schaukelstühle |
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| Fischer auf dem Brazo de Mompós - ganze Fischschwärme springen aus den Fluten... |
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| Der Platz vor dem alten Zollgebäude wurde erst neu gepflastert und restauriert... |
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| ...jetzt fehlt nur noch das alte Zollgebäude selbst! |
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| Heiß, heißer, Mompós... |
Eine der größten
Sehenswürdigkeiten ist der Friedhof – und das sagt einiges über den eh schon
sehr morbiden Charme des Städtchens aus. Aber es gibt Zeichen der Veränderung,
auch im zeitlos und veränderungsresistent wirkenden Santa Cruz de Mompox – ein großer
Platz wurde gepflastert, es gibt Abfalleimer und deutlich weniger Müll auf der
Straße. Solche Veränderungen lasse ich mir gerade noch eingehen.
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| Grabtafeln können ganz unterschiedlich aussehen: aus Styropor, in den Zement geritzt oder richtig kunstvoll |
Nach dem Erkundungsbummel gehen
wir ins Hotel und genießen den Pool, der nur uns zu gehören scheint und der
deutlich wärmer als der Jacuzzi ist. Das Bad tut gut und stärkt uns für den
anstehenden Bootstrip mit Capitán Freddy, mit dem ich bereits letztes Jahr in
den Sümpfen war. Wir laufen zur Casa Amarilla, meinem Hotel vom letzten Jahr
und warten auf Freddy. Nebenbei unterhalte ich mich mit Carmen. Irgendwann
werden wir abgeholt und steigen die Böschung hinab ins Boot. Dort ist schon
eine Deutsche, die in Cali lebt, mit ihrem Sohn und ein Deutscher, der seit 2
Jahren die Panamericana von Alaska in Richtung Feuerland radelt. Es kommen noch
2 Gäste und dann legen wir ab. Auf der knapp 100-minütigen Fahrt sehen wir jede
Menge Echsen, Adler, Reiher, Kormorane und auch den ein oder anderen
Brüllaffen. Wir schippern durch das Labyrinth aus Wasserhyazinthen und lassen
uns die angenehme Brise um die Nase wehen. Die anderen Passagiere springen auch
einmal in eine garantiert Anakonda-freie Lagune. Ich hatte das Vergnügen schon
letztes Jahr und passe diesmal – ebenso meine Eltern. Schließlich haben wir
Pool und Jacuzzi im Hotel! Die Fahrt ist sehr schön und zeigt wieder eine
gänzlich andere Facette Kolumbiens. Was für ein schöner Abschluss!
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| Schaukelstühle in der Casa Amarilla |
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| Leben auf und am Fluss |
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| Adler |
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| Brüllaffe |
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| Unser Boot |
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| Freddy, unser capitán |




Kurz vor Sonnenuntergang sind wir
wieder an Land und spazieren zurück zum Hotel. Wir holen noch eben Geld aus der
Maschine und dann wird geplanscht. Wie bestellt um halb acht dürfen wir um
Essen kommen. Mom und ich freuen uns auf Fisch (Pacora al ajillo) und mein Dad
auf sein Steak, begleitet von Corozosaft. Und wir freuen uns nicht ohne Grund.
Das Essen ist ganz vorzüglich, sicher mit das beste was wir in Kolumbien
gegessen haben. Und die Atmosphäre als einzige im schön beleuchteten Patio
steht dem Essen in nichts nach. So lässt sich´s leben. Als Nachtisch gibt’s „Postre
Sorpresa del día“ – was in unserem Fall lauter typische momposiner
Köstlichkeiten sind: Dulce de Limón (karamellisierte Limette), Dulce de Guayaba
(karamellisierte Guave) und Kokoswürfel – alles sehr schön angerichtet. Wir
sind richtig begeistert. Am liebsten würden wir unseren Kolumbienurlaub hier
beschließen, aber das nächste Hotel ist leider schon bezahlt. Naja, man soll ja
aufhören wenn es am Schönsten ist…

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| Unser Lieblingssaft: Corozo! |
Der Abend blubbert noch ein wenig
im Jacuzzi aus, dann wird gepackt und kurz Bettruhe gehalten – schließlich ist
unser Transfer für 4:15 (morgens!) angekündigt… Daher psst –und buenas noches!
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